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Wasser ist das Blut der Berge

Während in Neuseeland die Corona-Pandemie noch nicht richtig angekommen war, habe ich in Ruhe die großen Gebirgsseen im Landesinneren der neuseeländischen Südinsel erkundet.

Von der Westküste ging es für mich ins Landesinnere; so weit war ich vom Meer während meiner ganzen Zeit in Neuseeland noch nie entfernt. Umgeben von den Bergen der Südalpen liegen dort aber die tiefen, zentralen Seen; weit weg von großen Wasserflächen ist man in Neuseeland nie.

“The water which rises in the mountain is the blood which keeps the mountain in life.”
Leonardo Da Vinci1

Nachdem ich über den Gebirgspass in die Otago-Region gefahren bin, ging es als erstes zu den Blue Pools, das sind durch eiskalte Bäche gefüllte, tiefblaue Becken in denen man sich super an dem heißen Tag abkühlen konnte.

Ich bin sogar relativ unelegant von der Hängebrücke gesprungen, die die Becken überspannt…

Der Sonnenuntergang an Lake Hawea hat sich toll in dem glasklaren Wasser gespiegelt.

Um meinen vorherigen Eintrag zu schreiben, schlug ich auf einem malerisch am Hawea-See liegenden Campingplatz ohne Mobilfunkempfang mein Zelt auf und schrieb entspannt mit einem Glas Wasser mit Sirup über meine Erlebnisse an der Westküste. Ich mag diese abgelegenen Plätze, zu denen man sich auf einer Kiesstraße zwischen Kühen durchschlängeln muss, sehr gerne.

Seestadt Wanaka

Als ich dann am nächsten Tag in Wanaka ankam, um den Eintrag ins Internet zu stellen, wurde ich etwas von der Zivilisation überwältigt: Der ganze Ort war voller Menschen, da dort die jährliche Landwirtschaftsmesse stattfand. Jedes Hostel war ausgebucht, ich habe am Ende dann doch wieder gecampt, obwohl ich das Wochenende eigentlich mal wieder in der Stadt übernachten wollte. Ansonsten traf ich mich dort nochmal mit Jana, die mir begeistert von einer kostenlosen Weinprobe erzählte. Mit ihr aß ich ein Eis, saß entspannt am See und plauderte mit ihr.

Instagram-Sehenswürdigkeit #thatwanakatree: einer von vielen Bäumen, die in flachen Teilen des Sees überleben

Zur Blüte des Lavendels wäre der Ausblick noch toller gewesen

Nach einem Besuch im New World, der teuren Variante von Pak’nSave, habe ich noch etwas beim Campingplatz entspannt und den nächsten Tag geplant. Ich wollte tatsächlich zu der Landwirtschaftsmesse gehen, davor bin ich aber erstmal zu dem Weingut Rippon gewandert. Die Weinverkostung war spannend, da uns zu jedem Wein etwas erzählt wurde, allerdings waren mir die meisten Proben zu sauer. Das läge daran, dass es in Wanaka wegen des Sees immer relativ kühl bleibe, sodass die Trauben nicht so viel Zeit haben um mehr Zucker zu bilden.

Die Messe war dann eine Reizüberflutung: Alles, was auch nur ansatzweise mit Landwirtschaft und Landleben zu tun hat, war vertreten. Von Traktoren bis zu Sportbooten, von Ziegen bis zu Sprungpferden, von Hirschwurst bis Honig. Ich fand es total spannend, an den ganzen Ständen vorbeizugehen und alles zu beobachten. An einem Stand wurde den Hasen der Krieg erklärt, an einem anderen bekriegten sich zwei Männer in einem Holzhackwettbewerb. Ein großes Gebiet auf der Messe wurde für die Springreitwettkämpfe reserviert. Auf der Messe habe ich wieder einiges an Sonne abbekommen, so schlief ich danach schnell erschöpft ein.

Der Linke hat 10 Sekunden später angefangen und war trotzdem schneller fertig.

So nah neben der Hürde zu stehen, war auch sehr beeindruckend.

Praktisch alle Säugetiere gelten als Pest in Neuseeland. Wie ein Schaf geschoren wird, habe ich auch noch nie gesehen.

In dem DOC2-Informationszentrum in Wanaka habe ich mich zu dem aktuellen Zustand der Liverpool Hut erkundet, die ich gerne erwandern wollte. Mal wieder eine zweitägige Wanderung, zu der ich gut ausgerüstet mit meinem Rucksack antrat. Als kürzere Aufwärmwanderung kletterte ich aber erst auf Roys Peak, dem Hausberg von Wanaka. Ich fand es ganz witzig, dass ich einem Allgäuer über den Weg gelaufen bin, der erst vor wenigen Tagen angekommen war. Am Gipfel war mir wieder etwas mulmig, da es dort recht windig war… Beim Weg nach Oben war es noch relativ überlaufen, beim Abstieg waren die tollen Aussichtspunkte aber fast menschenleer. So konnte man das besser genießen. Anschließend gab es zur Belohnung noch eine gute Portion Fish and Chips.

Disteln gibt nicht nur in Europa. Am Fuße von Roys Peak liegt Lake Wanaka.

Mount Aspiring-Nationalpark

Für die längere Wanderung zur Liverpool Hut ging es mit dem Auto erstmal in den Mount Aspiring-Nationalpark. Durch das Tal führte eine aufregende Kiesstraße: Ich wurde von mehr als zehn Viehgittern3 durchgerüttelt und mein Auto von fünf Furten durchnässt. Schließlich kam man an einem Schild an, dass man nicht weiter mit Autos fahren dürfte. Ab hier musste ich also weiter wandern. Die ersten 15km führten einfach weiter durch das spektakuläre Tal, von dem man einige atemberaubende Blicke auf Berge und Gletscher hat. Die letzten zwei Kilometer gingen jedoch fast senkrecht an einer Bergflanke hoch. Bis zur Hütte musste man also mit vollem Körpereinsatz klettern. Mit dem schweren Rucksack habe ich mich gefühlt wie Frodo und Sam, die Gollum folgend nach Mordor klettern.

Auch #thataspiringtree verdient meiner Meinung nach einen Hashtag. Der Baum sieht so aus, als würde er selbst auf die Berge klettern wollen!

Mein Auto hat solche Furten unbeschadet überstanden. Da gehts hoch! Gut ausgerüstet für die Wanderung Eine Toilette mit Aussicht Ein Kea stattet uns einen Besuch an der Hütte ab.

Schließlich kam ich dann endlich bei der Hütte an und legte den Rucksack ab. Danach habe ich mich leicht wie eine Feder gefühlt! Mit den anderen neun Leuten in der Hütte habe ich dann bei Kerzenschein geplaudert bis plötzlich ein komisches Geräusch von Draußen kam. Ein Kea, also ein neuseeländischer Bergpapagei, kletterte am Wassertank herum. Der Geruch der Strümpfe, die ein Wanderer draußen hingelegt hatte, hatte ihn angelockt. Etwas enttäuscht, dass wir ihn nicht füttern würden, hat er sich dann irgendwann aus dem Staub gemacht.

Der Abstieg war dann wieder der spannendste Teil des Rückwegs, insbesondere, da man dabei beobachten konnte, wie der Abwassertank per Helikopter abgeholt wurde! Das war wohl die am meisten Adrenalin geladene Wanderung, die ich je gemacht habe.

Die Umgebung von Queenstown

Auf dem Weg Richtung Queenstown habe ich noch einen Zwischenstopp in Cromwell gemacht, wo Julius zur Zeit wohnt, den ich aus Blenheim kannte. Der Ort ist wegen genau zweier Gründe interessant: Cromwell liegt von allen Städten in Neuseeland am weitesten entfernt vom Meer und große Teile der Altstadt liegen am Grunde des Stausees. Ein paar alte Gebäude haben sie aber dort noch erhalten können.

Die Kawarau Gorge Suspension Bridge gilt als ein Meisterwerk des Brückenbaus.

Völlig fasziniert habe ich ein paar Leuten beim Bungee-Springen zugesehen.

An der östlichen Einfahrt nach Queenstown liegt das Kawarau-Tal, durch das sich ein Fluss und der Highway schlängelt. Eine schöne Brücke aus Stein, Holz und Stahl überquert an einer Engstelle das Tal, die jetzt hauptsächlich wegen einer Aktivität bekannt ist: Hier wurde das Bungee-Springen erfunden! Ohne moralische Unterstützung wollte ich aber nicht selbst springen, also bin ich schließlich weitergefahren.

An Lake Wakatipu verbindet eine sich schlängelnde Straße Queenstown und Glenorchy. Regnerische Kostprobe des Routeburn Tracks

Da Queenstown viel zu überlaufen war, fuhr ich direkt weiter am See entlang. Die Fahrt war absolut sehenswert. An ein paar netten Campingplätzen am Wakatipu-See genoss ich dann das gute, aber langsam recht herbstliche Wetter und machte diverse kleinere Wanderungen und Ausflüge. Am Samstag hat mich dann aber Regenwetter erwischt, als ich ein Stück der zur Zeit sehr eingeschränkten Routeburn-Wanderung erkundet habe. Ehrlich gesagt, hat das bei dem Regen sogar Spaß gemacht, da ich die passende Kleidung an hatte. Irgendwann hatte ich dann aber genug davon. In Kinloch am nördlichen Ende des Sees schlug ich nach dem Regen mein Lager auf: Gemütlich und mit tollem Ausblick auf den See. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es wahrscheinlich mein letztes Camp in Neuseeland sein würde…

Vielleicht mein letztes Camp in Neuseeland…

Blick vom Kinloch-Campingplatz bei Regenwetter Blick vom Kinloch-Campingplatz bei Sonnenschein

Bei Glenorchy liegt eine Lagune am nördlichen Einlass des Sees, bei der mir der Kontrast aus flachem Feuchtgebiet und steilen Bergen sehr gut gefallen hat.

Mit Joana aus Portugal, die ich in Auckland kennengelernt hatte, wollte ich Queenstown erkunden und dort diverse touristische Aktivitäten machen. Sie wollte mit dem Flugzeug aus Christchurch ankommen; da Neuseeland so klein ist, bin ich an meinem Hostel aber direkt Vincent über den Weg gelaufen, den ich schon in der Bay of Plenty und in Wellington getroffen habe. Er wollte auch zum Flughafen, also habe ich ihn natürlich dorthin mitgenommen. Auf dem Weg dorthin haben wir uns noch Arrowtown angesehen, eine alte Goldgräberstadt mit ein paar Herr der Ringe-Drehorten. Nicht sonderlich spektakulär, allerdings konnten wir dort noch entspannt in einem Café etwas essen.

Als Joana und ich dann vom Flughafen zurück in der Stadt waren, kam eine Nachricht rein: Neuseeland würde in 48 Stunden komplett in Quarantäne gehen. Niemand dürfe dann mehr reisen und alles Nicht-Essentielle würde geschlossen. Die neuseeländische Regierung wollte nun also schnell wie der Rest der Welt auf das Coronavirus reagieren, obwohl bis zu dem Zeitpunkt kaum Einschränkungen angekündigt waren. Wie sich die Situation hier wohl weiterentwickelt…?

Herr der Ringe-Drehorte

In der Umgebung von Queenstown sind einige Herr der Ringe-Drehorte, die aber alle nicht mit Hobbiton, dem Schicksalsberg oder dem Tal der Toten mithalten können. Ich habe mir fünf Drehorte angesehen:

  1. Das Kowarau-Tal flankierend wurden die Pillars of the Kings digital eingefügt. Vor Ort sieht das Tal schon beeindruckend aus, allerdings war es dort sehr windig, sodass mir Staub des Kiesweges ins Gesicht geschleudert wurde.
  2. Beim 12 Mile Delta-Campingplatz liegt der Ort, an dem Frodo, Sam und Gollum einen Hasen kochen und dann am Fluss die Armeen der Südlichen Länder mit Kriegselefanten vorbeiziehen. Das sah genau so aus, wie im Film.
  3. Nördlich von Kinloch liegt der Drehort für Isengard. Auch hier wurde Sarumans Turm digital eingefügt, jedoch sieht die markante Landschaft drumherum wirklich genauso aus, wie ich sie vom Film in Erinnerung hatte. Der Regen, den ich an dem Tag auf dem Weg zum Routeburn Track hatte, lies das Ganze nur noch spannender aussehen.
  4. In Arrowtown gibt es einerseits die Furt, bei der Arwen ihre Verfolger abschüttelt…
  5. …und andererseits die Stelle, an der der Ring von Smeagol gefunden wurde. Beide sehen leider gar nicht mehr so aus, wie zu der Zeit des Drehs vor etwa zwanzig Jahren, da der Fluss mehrmals über die Ufer gegangen ist.

Wenn ich nochmal in die Gegend um Queenstown komme, würde ich wahrscheinlich eine Herr der Ringe-Tour machen, in der man dann interessantes Hintergrundwissen erzählt bekommt.


  1. aus The Notebooks of Leonardo Da Vinci (1938) übersetzt von Edward MacCurdy ↩︎

  2. Department of Conservation, Naturschutzbehörde von Neuseeland ↩︎

  3. die je nach Region im Englischen laut https://www.dict.cc/?s=Viehgitter verschieden heißen: cattle grid im britischen Englisch, cattle guard im Amerikanischen, cattle grate im Austalischen, cattle stop in Neuseeland und Texas gate in Kanada ↩︎